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Status 8. Dezember 2009

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Es geht mir gut. Ich bin glücklich. Ich habe subjektive Geldsorgen (gerade eine fünfstellige Summe ans Finanzamt überwiesen, da kommt das nächste und will auch nochmal fast soviel), meine Exfrau hält sich kommunikativ sehr bedeckt, seit ich nicht gut fand, dass sie unseren Sohn vorgeschickt hat, um 10 Euro Auslagen fürs Wochenende einzutreiben, aber ansonsten könnte es mir nicht besser gehen. Wir hatten ein schönes Wochenende – Weihnachtsmarkt, Kirche, Essen, Sex -; wir schreiben uns die schönsten Mails, wir gehen auf der Arbeit zum Knutschen in ein leerstehendes Büro, ich besuche sie mal zwischendurch zu Hause, und jedesmal, wenn sie mich anfasst, gibt es diese elektrischen Entladungen auf meiner Haut und in meinem Magen.

Bald ist Weihnachten. Ich habe alle Geschenke schon bekommen.

Geredet 16. November 2009

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Wir haben geredet. Es war der denkbar ungünstigste Zeitpunkt, ich hatte gerade erfahren, dass meine Tochter vermutlich Schweinegrippe hat, ich durfte die Firma nicht betreten (Quarantäne!), und wir hatten es nochmal mit einem Telefonat versucht. Es ging aber nicht am Telefon. Manchmal geht es nicht am Telefon. Manchmal muss man sich sehen, in den Arm nehmen, nichts mehr reden, nur noch da sein. Ich sagte: Ich komme jetzt. Nein, das geht nicht. Doch, sagte ich, das muss jetzt sein. Wenn es jemals sein musste, dann jetzt. Scheiß auf die Schweinegrippe. In einer Stunde bin ich da. — OK.
Ich habe einen BMW und fahre gerne schnell. So schnell bin ich noch nie gefahren. Sie hat darauf bestanden, dass ich einen Zettel mit ihrem Namen und ihrer Telefonnummer mitnehme. „Bei Unfall bitte benachrichtigen.“
Als ich bei ihr war, habe ich nur noch geheult. Dann haben wir gesprochen. Und jeder hat was verstanden. Wirklich verstanden. Man kann die selben oder fast die selben Dinge sagen, wenn man am Telefon spricht oder sich gegenüber sitzt. Wenn man sich gegenüber sitzt, funktioniert es. Am Telefon nicht.

* * *

Sonntag Abend hatte sie kinderfrei. Ich war bei ihr, und wir hatten den besten Sex unseres Lebens. Es war ganz einfach. Wie vorher, wie immer, so, wie es sein muss.
Ich kann mir nicht vorstellen, mich überhaupt jemals wieder mit ihr zu streiten.

Eskalation 10. November 2009

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Warum. Warum, verdammte Scheiße, muss es nur immer wieder eskalieren? Mit Ansage trennen wir uns nach einem gemeinsamen Wochenende so, dass sie traurig ist, und mit Ansage telefonieren wir am Montag Abend, und mit Ansage endet das  — ja, in was? Im Streit? Falsches Wort. In Traurigkeit, Verbitterung, Vorwürfen, unendlichen Diskussionen, in einem Problemgespräch, bei dem noch nicht mal klar ist, worin eigentlich das Problem besteht.
Aktuell: Ihr Exmann nimmt nächsten Montag die Kinder. Gelegenheit für einen gemeinsamen Abend für uns. Gut, Montags habe ich einen regelmäßigen Termin mit meiner kleinen Tochter, zwei Stunden, bei mir. N. weiß das. Ich hatte wohl auch mal gesagt, dass ich den Termin durchaus mal verschieben kann. Nun besuche ich N. regelmäßig, wenn ihre Kinder da sind, und meine erste Idee war für diesen Montag nicht, meinen Kindertermin zu verschieben, sondern: N. kommt einfach mich und meine Tochter besuchen. Sind ja nur zwei Stunden, danach hätten wir Zeit zu zweit. — Das kann sie nicht. Sie hat es sich durch den Kopf gehen lassen, sie kann sich die Situation nicht vorstellen. Das ist ja Zeit für mich und meine Tochter, da würde sie sich störend vorkommen. Und so weiter. Ich bin doch auch da, wenn deine Jungs da sind. Ja, aber die habe ich auch immer. OK, meine Tochter ist ja nur zwei Stunden da. Außerdem könntest du dann mal so an meinem Leben teilnehmen, wie ich an deinem Leben teilnehme. — Geht nicht. Gut, sage ich, weil ich einen Abend mit ihr haben will, ich verschiebe den Termin. Kannst du gerne machen, sagt sie, aber ich werde nicht da sein. Das geht doch jetzt gar nicht mehr! Wieso? Na, ist doch jetzt total belegt, der Abend! Ich will doch nicht schuld sein, dass du den Termin mit deiner Tochter verschieben musst.
Hier hätte ich sagen können, dass ich den Termin ja auch, wenn sofort, dann wegen ihr verschoben hätte.
Ist mir nicht eingefallen.
Ist auch nicht entscheidend.
Ich verstehe nur das Problem dahinter nicht. Es muss irgendwas Grundsätzlicheres als Terminscheiße sein, die da klemmt.
Langsam bekomme ich Angst, dass es daran kaputt geht. Was es auch immer sein mag.

Drittletzter Sonntag des Kirchenjahres 8. November 2009

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Wollte ich allzu naheliegende Wortspiele bemühen, würde ich auf die Frage, woraus wohl mein Wochenende bestanden hat, antworten: „Shoppen und Ficken“. Das würde die Sache allerdings nicht treffen. Denn zum einen ist diese Aufzählung dann doch icht vollständig, und zum anderen ist es so, dass mit dem Wort „Ficken“ etwas gewissermaßen Heiliges, im wahrsten Sinne Einzigartiges und Schönes unzulässigerweise profanisiert würde. Jeder andere Unteroffizier a.D. wird mir zustimmen, dass die gängigen Assoziationen zu diesem Begriff Bilder im Kopf freisetzen, von denen man in einem Moment unbeschreibbarer Tiefe nicht unbedingt heimgesucht werden will.
N. hat sich unter Tränen verabschiedet. Während ich sage: Ich nehme das Schöne aus diesem Wochenende mit, ist sie traurig, dass es schon vorbei ist. Ich würde ihr gerne helfen. Helfen dabei, nicht traurig zu sein. Ich weiß nicht, wie. Ich weiß nicht mal, ob sie das überhaupt wollen würde.
Ich bin auch traurig, aber ich kann es ganz gut aushalten. Als sie weg war, bin ich rausgegangen in den grauen November, eine Stunde allein über menschenleere Wege, und ich habe ein wenig meine Melancholie zelebriert. Mittlerweile kann ich das.
Meine Sorge um sie kann ich nicht zelebrieren. Ich kann nur hoffen.

Unterschied 5. November 2009

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Früher: Sex war nett, fühlte sich gut an, machte Spaß. Aber: Alles, was ihn ausmachte, konnte ich mir auch selbst machen. Es war mehr — eine technische Angelegenheit. Der Gentlemengedanke gebot es, dass die Dame soweit als möglich zuerst ihren Orgasmus hatte, aber es war eher eine Pflichtübung. Für mich war nahezu die gleiche Befriedigung, mit wesentlich weniger Aufwand, auch einhändig zu erreichen.
Heute: Ich könnte Bilder gebrauchen von Geist, Seele, Körper, Einheit, Verschmelzung, Extase und davon, dass ich mich in einigen Orgasmen aufgelöst habe in ihr und im Universum. Das wäre alles nicht falsch. Aber: Ich kann es nicht mehr alleine. Das kann ich nur mit ihr.

Und genau das macht den Unterschied.

Kompliziert 2. November 2009

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Während ich draußen durch die Nacht laufe, überlege ich mir, wie es wohl wäre, wenn sie mich jetzt anriefe, sich wundernd, dass ich nicht zu Hause bin, womöglich in Sorge. Ich würde sagen, ach weißt du, wenn mir gerade jemand einen Pflock durchs Herz getrieben hat, dann gehe ich für gewöhnlich gern für ein paar Schritte an die frischen Luft.

Ich habe Sehnsucht nach dir, hat sie mir geschrieben, und am Telefon dann: Ich habe Sehnsucht nach dir, aber du kannst heute nicht herkommen. Ich verstand nicht. Wie, ich kann nicht zu dir kommen? Nein. Warum? Nach langer Diskussion das Ergebnis: Wenn sie nur zwei, drei Stunden am Abend mit mir haben kann, wenn es so aussieht, als käme ich sie nur besuchen, um mit ihr zu schlafen, dann will sie mich lieber gar nicht sehen. Ich denke, und sage: Ich will dich sehen, sooft es geht. Und wenn es zwei Stunden am Abend sind. Sie sagt: Wenn ich es nicht so haben kann wie ich will, dann will ich es gar nicht.
Ihr Sohn ist auch so, manchmal höre ich sie reden, wenn er was sagt.

Naja, die Kinder überhaupt. „Warum ist A. schon wieder da?“ Findet sie blöd, klar. Und wenn einer mal schlecht träumt, mitten in der Nacht, würde sie ihn am liebsten mit ins Bett nehmen. Wenn allerdings ein Kind mit ihr und mir im selben Bett schläft, dann bin ich weg, zur Not auch mitten in der Nacht. Das weiß sie.

Also gut. Sie hat Sehnsucht, will mich aber nicht sehen, und ich hab’ mich pifferig, wenn Kinder im Frau-Mann-Gemeinschafts- a.k.a. früher mal: Ehe-Bett zugegen sind.
Wer nun komplizierter ist, kriegen wir bestimmt auch noch irgendwann raus.

Techtelmechtel 27. Oktober 2009

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Kollegin S. fragt N. hinter vorgehaltener Hand, ob sie – N. – wohl mit mir ein Techtelmechtel habe. N. übergeht die Frage mt souveränem Schweigen.
Naja, damit ist die Sache dann wohl abteilungsweit gebongt.

Schlechtes Gewissen 19. Oktober 2009

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Also, wir sind ja keine 16 mehr und auch keine 22. Zum Glück! Andererseits werde ich mich nie daran gewöhnen, wenn es (wir befinden uns in der Standardsituation „sie und er liegen gegen 22:30 Uhr nur noch mäßig oder gar nicht mehr bekleidet im Bett“) nach vielversprechender Einleitung — womöglich ist sie sogar schon auf ihre Kosten gekommen, auch wenn das eine selten blöde und völlig unangemessene Kategorie ist — heißt: Jetzt nur noch einschlafen. Und ich darf doch wohl ernsthaft verstimmt sein, wenn mir diese Tatsache in den Worten „Also, ich bin durch. Ich will jetzt schlafen.“ kommuniziert wird. Einmal mit Anlauf in den Magen gehauen. Mühsam röchelnd versuche ich wieder zu Atem zu kommen, da folgt: „Ich hab ja ein bißchen ein schlechtes Gewissen, dass ich dich da jetzt so unbefriedigt liegen lasse. Aber“ — kurze Pause — „damit kann ich ganz gut leben.“ Bamm! Der zweite, der K.O.-Schlag.

Gut, ich liege also am Boden, ein bißchen selbstmitleidig, wie es die Stärke vieler Männer ist, es ist spät, es hat keinen Sinn, jetzt irgendwelche Diskussionen anzufangen. Sie muss morgen früh raus, ist müde, ich bin es mittlerweile auch. Ob ich ihr morgen sage, was sie mit dieser „schlechtes Gewissen“-Bemerkung angerichtet hat?
Wir schlafen beide schlecht.

Morgens, noch vor dem Weckerklingeln, nimmt sie mich in den Arm, „Ich liebe Dich“, es ist so warm und vertraut wie immer. Aber dieses Gewissensding wurmt mich. Ich kann es nicht wegdrücken. Ich ahne, dass es keine gute Idee ist, aber ich sage es ihr trotzdem. Dass ich diese Bemerkung blöd fand. „Verstehst du das?“ Sie schweigt. Zu lange. Sie versteht es nicht. Scheiße.

Scheiße, Scheiße.

Ich kann. 17. Oktober 2009

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Ich kann sie, zum Beispiel, mit ein paar Bewegungen meines Mittelfingers zur Explosion bringen. Und eigentlich ist es falsch zu sagen: Ich kann. Ich kann das nicht, weil ich besonders gut im Bett wäre, oder weil ich wüßte, was Frauen wollen, oder weil ich 10 Sex-Ratgeber gelesen hätte, oder weil ich 10 Frauen gehabt hätte, an denen ich es hätte ausprobieren können. Ich kann es nur, weil es paßt. Weil sie sich bei mir fallenlassen kann, und weil ich aufnehmen kann, was sie will. Ein Zufall, ein Glück, wenn man so will, aber keine Technik, die man irgendwie erlernen könnte.

Als wir unsere ersten Hotelverabredungen hinter uns hatten, sie war noch nicht getrennt, schrieb sie: Wie soll ich mich jemals wieder von meinem Mann anfassen lassen?

Glück 12. Oktober 2009

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Ja, verdammt kompliziert, das alles; sie ist kompliziert, ich bin es auch, am allerkompliziertesten sind die Menschen, die sagen, sie wären gar nicht kompliziert. N. läßt sich die Laune verderben von irgendwelchen Kindereien, die meine Ex veranstaltet, ich lasse mir die Laune verderben von dem Dauerkonflikt, den N. mit ihrem Ex hat, immer um dasselbe Thema, warum schaffen wir es verdammt nochmal nicht, uns nicht von den Geschichten und der Geschichte des anderen nerven zu lassen? Das ist doch scheiße.
Andererseits: Wir liegen da, an einem verregneten Sonntagvormittag, ihr Kopf auf meiner Schulter, meine Arme um sie, wir sind irgendwo auf halbem Wege zwischen wach und Schlaf, kein Geräusch, nur Stille, kein Gedanke in meinem Kopf, nur dieses eine Gefühl in mir, dass ich einen Moment der Ewigkeit erwischt habe, ich bin ganz ausgefüllt von Glück, bis obenhin, mehr geht nicht.
Den Nervkram werde ich irgendwann vergessen haben. Dieser eine, unendlich tiefe Glücksmoment wird für immer bleiben.