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Profil 18. Mai 2013

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Aus gegebenem Anlass veröffentlichen wir an dieser Stelle ein Interview mit dem Kleintwitterer (333 Follower) und Kleinstblogger (Besuchszahlen unter der Messbarkeitsgrenze) @axaneco.

Sie haben nach vier Jahren ihr Profilbild bei Twitter geändert. Warum?
Es war mal an der Zeit für Veränderung. Manche Leute sind nicht solange verheiratet, wie ich mein Stacheldrahtbild hatte. Jetzt musste mal was anderes her, auch um zu reflektieren, dass es in meinem Leben in letzter Zeit eine Reihe von Veränderungen gab. Und schließlich wollte ich meinem kleinen, aber feinen Publikum etwas persönlicher entgegentreten.

Ihr neues Bild hat zu Irritationen geführt.
Ja. Das geht mir allerdings jeden Morgen selbst so, wenn ich vor dem Spiegel stehe.

Es gab ein Gleichnis mit dem Typen des “evangelischen Religionslehrers”.
Das kam von Frau @_coolcat. Nun muss man dazu zwei Dinge sagen. Erstens: Meine Freundin hat mal gesagt, sie könnte sich mich auch gut als Pastor vorstellen. Ich rede gern, ich habe so eine gewisse “ruhige Art” (ihre Worte), und ich mache mir meine Gedanken um Gott und die Welt. Das passt schon. Zweitens: Ich sehe mich nicht in der Lage, Frau @_coolcat irgendwas ernsthaft übel zu nehmen, selbst nicht eine Beurteilung nach dem Äußeren (die ja auch und gerade auf Twitter gern kontrovers bis polemisch diskutiert wird). Ich vermute, dass die Begründung dafür “ernsthafte Sympathie” lautet.

Auch davon, dass Veränderungen nie gut sind, war die Rede.
Frau @fragmente, Godmother meines Twitteraccounts, hat das geschrieben. Ich verstehe, was sie meint. Ich selbst habe oft genug gesagt “Never change a winning team” und “Never change a running system”. Ich weiß um die Risiken der Veränderung, und ich gehöre zu denen, die sie am meisten fürchten. Andererseits hat mein Leben in den letzten vier Jahren derart tiefgreifende Veränderungen erfahren, dass diese eine, kleine, zusätzliche öffentliche Veränderung geradezu konsequent war.

Aber offensichtlich passt ihr Bild nicht zu ihren Texten.
Das liegt vielleicht daran, dass ich oft und gern andeutungsweise oder direkt das Thema “Sex” zum Gegenstand meiner Texte mache und es schwierig erscheint, so ein freundlich-harmloses Milchgesicht wie das meine mit so etwas wie “Extase” oder “Kontrollverlust” in Verbindung zu bringen. Das ist absolut verständlich, ich selbst würde nicht anders denken. Zu den meisten Menschen, deren Gesicht man kennt, möchte man sich keine sexuellen Details vorstellen, und wenn, dann sollten sie – soweit sie Männer sind – ein irgendwie viriles Gesicht haben. Alles andere ist Kopfkino, das nur nach hinten losgeht.

Gerade deshalb hätten Sie auch etwas mehr Rücksicht nehmen können.
Ich verstehe diesen Einwand, kann aber darauf keine Rücksicht nehmen. Meine Texte sind – darauf würde ich Ihnen, wenn der Begriff nicht mittlerweile verbrannt wäre, mein Ehrenwort geben – authentisch; so harmlos wie ich aussehe, habe ich doch all das erlebt, was ich im Internet aufgeschrieben habe. Man kann das für unwahrscheinlich halten, aber es ist nun mal die Wahrheit.

Finden Sie es nicht ein bißchen selbstreferenziell, zu so einem Thema ein Interview zu geben?
Sicher. Die Welt hat tausend andere Probleme als das Profilfoto von Herrn @axaneco. Aber Twitter ist nun mal eine Egomaschine, und wer einmal drin ist, bewegt sich in seiner eigenen Follower- und Followingsblase, die einen mehr oder minder wichtigen Teil seiner Realität ausmacht. In der Zeit, in der ich dieses Interview gegeben habe, hätte ich mit Sicherheit auch andere, sinnvollere Dinge tun können. Allerdings hätte ich nicht die Welt gerettet, und insofern ist das schon in Ordnung.

Sonst noch was?
Ja. Mein Leben wäre ärmer ohne euch. Klingt schwülstig, ist aber so.

Was tun? 5. April 2013

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So sprach Lenin, aber Lenin ist mittlerweile out, er rottet in seinem Glassarg vor sich hin und wird ab und an mal aufgefrischt, aber die Zeit verlangt nach neuen Antworten.
Ich weiß nicht, wohin mit dem Feminismus.
Einerseits: Ich bedaure Menschen, die ihr Leben der Beschäftigung mit der immer selben Frage geweiht haben, nämlich: Wo sie sich diskriminiert fühlen. Ich könnte nicht damit leben, mich permanent über dasselbe Thema aufzuregen.
Andererseits: Es beschäftigt mich. Ich lese auf alltagssexismus.de schlimme Geschichten, erwische mich dabei, auch selbst gedankenlos blöde Sprüche vom Stapel gelassen zu haben, und frage mich, was richtig ist.
Meine Freundin (hier in der Rolle der Kronzeugin für das, was ich ganz gut finde) hat bei ihrer ersten Heirat ihren Namen behalten, und ihr eigenes Konto und ihre eigene Telefonnummer, und wenn sie mit dem Namen ihres Exmannes angesprochen wird (weil auch ihre Kinder so heißen wie er) oder mit meinem Namen (weil ich was für uns bestellt oder gekauft habe), dann nimmt sie das achselzuckend zur Kenntnis und sagt: “Nix verstanden. Ist wohl zu hoch.”, aber sie regt sich nicht darüber auf. Sie verdient in ihrem Job dasselbe wie ihre männlichen Kollegen (öffentlicher Dienst), und wenn ihr Arbeitstag um 14:30 zu Ende ist (Teilzeit), dann sagt sie “Ich gehe jetzt.”, und alle finden das OK. Sie argumentiert Leute an die Wand (mich auch) und sie sagt: “Meine Kinder bedeuten mir alles.” Sie ist manchmal extrem genervt vom Alltag, und sie ist ein extrem in sich ruhender und geerdeter Mensch. Der Sinn des Lebens ist aus ihrer Sicht, sich einen guten Tag zu machen. Jeden Tag. Manchmal erzähle ich ihr von den Diskussionen, die ich hier so verfolge oder an denen ich selbst beteiligt bin, und wenn ich sage: “Ich habe gerade gelesen, dass eine Frau Türaufhalten durch Männer blöd findet, weil dadurch weibliche Aufmerksamkeit eingefordert wird”, dann sagt sie: “Naja. Die hat wahrscheinlich keine anderen Probleme.” Und gern setzt sie dazu: “Ist nur meine Meinung.”

Wie cool ist das. Die Gelassenheit, zu sagen: “Ist nur meine Meinung.”, die würde ich mir auch von anderen wünschen. Und von mir selbst.

Zum Thema #aufschrei 27. Januar 2013

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Es ist schon alles gesagt, aber noch nicht von allen.
(Karl Valentin)

Durch Deutschland muss ein Ruck gehen.
(Roman Herzog)

Nun geht zwar nicht direkt ein Ruck durch Deutschland, dafür aber ein Aufschrei. Das ist ja schon mal was.

* * *

Vor mehreren Jahren hat mich mal eine Kollegin mit “Süßer” angeredet. Sie war Projektleiterin, ich einfacher Projektmitarbeiter. Sie hat das zweimal kurz hintereinander gemacht, in einer Situation, in der ich Widerworte gegeben habe. Vielleicht war die Intention, mich mit der Anrede “Süßer” kleinzuhalten, so wie das Männer mit Frauen machen, wenn sie der Meinung sind, Themen anzusprechen, zu deren Verständnis Frauen qua Geschlecht einen zu begrenzten Horizont haben.
Ich fühlte mich nicht sexuell belästigt, eher fand ich diese Ansprache unpassend und vor allem unprofessionell, und ich hatte mir fest vorgenommen, beim drittenmal den Satz “Süßer darf mich genau eine Frau auf der Welt nennen, und diese Frau bist nicht du” zu sagen, aber zu einem drittenmal kam es nicht, die Kollegin hat – unanbhängig von dieser Geschichte – das Projekt verlassen. In der Situation war ich tatsächlich zu perplex, um angemessen zu reagieren. Insofern kann ich in gewisser Weise Frauen verstehen, die zu überrascht für eine spontane Reaktion sind und sich erst hinterher aufregen.

* * *

Ich flirte gern und mache gern Komplimente. Die aus meiner Sicht alles entscheidende Frage beim Thema “Sexismus” ist, wo er anfängt. Soviele verschiedene Frauen man dazu fragt, soviele verschiedene Antworten wird man wohl bekommen. Also geht man – in der Regel als Mann, bestätigende Ausnahme siehe oben – immer ein gewisses Risiko ein, mit einer harmlos gemeinten Bemerkung auf der anderen Seite Empörung, Verletzung und das Gefühl, übergriffig behandelt worden zu sein auszulösen. So ist das Leben, ich habe schon von Frauen gelesen, dass sie sich belästigt fühlen, wenn sie auf der Straße nach der Uhrzeit oder dem Weg gefragt werden.
Mit dem, was ich als gesunden Menschenverstand empfinde, mache ich also der einen oder anderen Kollegin gern mal ein Kompliment für ihre Kleidungswahl, und ich sage “Schickes Kostüm, gefällt mir gut”, nicht jedoch “steht dir super, betont deine sexy Figur”. Ich sage “Hübsches Oberteil”, aber auf keinen Fall “du füllst es ja auch super aus”. Ich weiß nicht, ob das immer angemessen ist. Die Reaktionen bis jetzt waren zumindest mir gegenüber erfreut, und wenn ich mal einen neuen Schlips habe, wird der auch gelobt. Dann sage ich, dass meine Freundin den ausgesucht hat, und bekomme zur Antwort, dass meine Freundin über einen ausgezeichneten Geschmack verfüge. (Und bevor ich das nicht hierhin geschrieben hatte, wäre mir auch noch nie der Gedanke gekommen, diese Bemerkung könnte auf etwas anderes als meiner Freundins Geschmack für Schlipse bezogen sein. Was es auch mit Sicherheit nicht ist.)

* * *

Ich habe meine Freundin bei der Arbeit kennengelernt. Schon bevor wir zusammen waren, saßen wir – oft auch mit mehreren anderen männlichen  Kollegen – beim Mittag zusammen, und ab und zu haben die anderen Jungs und ich mal ein paar mehr oder weniger auffällig-subtile Bemerkungen angedeutet sexueller Natur gemacht. (Ich mache das ja auf Twitter immer noch gern.) Sie hat sich in keinster Weise dazu geäußert. Heute habe ich sie mal gefragt, ob sie diese Bemerkungen als unangemessen, übergriffig oder belästigend empfand. Ihre Antwort war: “Nö. Ich fand das nur nicht witzig, so wie ihr offenbar.”

* * *

Ich denke, dass in dieser Debatte vor allem Augenmaß wichtig ist. Ich halte weder die Position, dass jeder anerkennende Blick Sexismus ist, noch die Meinung, dass die Frauen sich mal nicht so anstellen sollen, wenn der Herr Bundesminister sie mal etwas fester um die Taille nimmt, für vertretbar, aber: Das ist natürlich nur meine Meinung. Die Wahrheit liegt irgendwo in der Mitte, und die zu finden, wird wohl die Herausforderung an dieser Geschichte sein.

Ich 6. Januar 2013

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Inspiriert von http://www.textzicke.de/wer-ich-bin/

Ich bin in einer Hansestadt geboren und habe weit mehr als die Hälfte meines bisherigen Lebens in anderen Hansestädten gewohnt. Ich habe in der Pubertät einmel zu meinem Vater gesagt “Du nervst micht”, woraufhin er nicht mehr mit mir gesprochen hat und ich mich entschuldigen musste. Ich bin, wie er, extrem schnell beleidigt. Ich würde gern Klavier spielen können. Ich belehre jeden, der es nicht hören will darüber, dass “wegen” den Genitiv verlangt. Ich fotografiere gern und recht passabel. Ich habe mal im Schulchor gesungen, den Universitätschor aber verweigert. Ich habe mich im Alter von 36 Jahren evangelisch taufen lassen. Ich koche gern. Ich habe drei Kinder. Ich war 16 Jahre mit der falschen Frau verheiratet, rede mir diese Tatsache aber schön. Ich habe mehrere Millionen Lichtjahre entfernte Galaxien durch mein eigenes Teleskop gesehen. Ich habe in meinem Wehrdienstausweis einen Eingangsstempel von der NVA und einen Ausgangsstempel von der Bundeswehr. Ich habe eine Revolution mitgemacht. Ich habe eine Freundin, mit der ich den besten Sex meines Lebens habe, die in der Kindererziehung fürchterlich inkonsequent ist, die mich betüdelt, wenns mir nicht gut geht, mit deren Kindern ich mich großartig verstehe, die ich dafür liebe, dass sie sich nicht die Butter vom Brot nehmen lässt, dass sie sehr intelligent ist, und dass sie extrem sexy riecht. Ich trinke zuviel, das allerdings mit Genuss. Ich kann mich schlecht streiten, aber es wird besser. Ich habe die Ehe gebrochen und hemmungslosen Sex im Hotel gehabt. Ich habe über Jahre einen Beruf ausgeübt, der mir keinen Spaß gemacht hat. Jetzt bin ich eine Art Chef und versuche, meine Leute menschlich zu behandeln. Ich habe zuviele Arschlöcher kennengelernt, glaube aber, dass man sich immer zweimal sieht. Ich breche Streit vom Zaun, wo es völlig überflüssig ist. Ich sehe jeden Tag Menschen in der S-Bahn, deren Leben ich nicht führen wollte. Ich habe kein Problem, nachts durch leere Parkhäuser zu laufen. Blankrasierte Frauen turnen mich ab. Ich fahre Riesenrad nur meinen Kindern zuliebe. Ich habe Humor. Ich hasse Umzüge und überhaupt Veränderung, sehe aber durchaus die Notwendigkeit. Ich habe keinen Fernseher. Ich gucke gern “Traumschiff”. Ich heule im Kino und manchmal auch bei Musik. Ich gucke zuviel Pornos. Ich hatte mehrere BMWs, denen ich etwas hinterhertrauere. Ich dachte als Kind, dass es nachts immer regnet. Ich habe zwei private Handys. Ich kann mit den Ohren wackeln, und zwar mit jedem Ohr separat. Ich habe für dieses Leben zuviel Liebeskummer hinter mir. Ich war schon in Indien, aber ich muss noch nach Rom. Ich war mal GmbH-Geschäftsführer. Ich hasse nichts mehr als Unpünktlichkeit. Ich glaube an die Idee der Liebe. Ich habe über meinen verstorbenen Großvater einen Wikipedia-Eintrag geschrieben, den es bis heute gibt. Ich habe einen besten Freund, den ich seit knapp 25 Jahren kenne. Ich hasse jedwede handwerkliche Tätigkeit. Ich habe dunkle Locken. Ich war schon mal beim Psychologen. Ich kann am besten mit dem Geräusch des laufenden Geschirrspülers im Hintergrund einschlafen. Überhaupt schlafe ich in der Regel innerhalb von maximal drei Minuten ein. Ich habe als Kind die elektrische Luftpumpe erfunden. Ich habe mich sterilisieren lassen und und meine Freundin hätte sich deswegen fast von mir getrennt. Ich liebe die Bilder von Salvador Dalí. Ich habe keinerlei Ahnung von Autos. Ich bin allergisch auf Äpfel, Nüsse, Frühblüher und Steinobst. Ich stehe auf üppige Oberweite und bin glücklich mit einer Frau zusammen, für die ich Unterwäsche in der Mädchenabteilung kaufe. Ich kann gut allein sein, hasse es dann allerdings. Ich habe mal erfolglos illegale Drogen genommen. Ich habe schon Kinderkotze von Fußboden aufgewischt und mich dabei fast selbst übergeben. Ich will in diesem Leben noch ein Buch schreiben. Ich pupse heimlich. Ich bin mein halbes Leben mit dem Trauma eines unvollkommenen Körpers rumgelaufen. Ich habe in meiner Jugend einem Mitschüler ungewollt beim Geschlechtsverkehr zugesehen. Ich bin Mathematiker und verstehe heute meine eigene Diplombarbeit nicht mehr. Ich bin aus naturwissenschaftlichen Gründen religiös. Ich habe mich noch nie geprügelt. Ich weiß, dass es für alles eine genaue Zahl gibt, und manchmal wüsste ich sie gern. Ich mag Kerzenlicht, romantische Abende und das Meer, am besten in dieser Kombination.

Ich könnte diesen Text endlos fortsetzen.

Jahresrückblick 2012 21. Dezember 2012

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Zugenommen oder abgenommen?
Ganz (ganz!) leicht zugenommen. Hosen passen aber noch.

Haare länger oder kürzer?
Gleich, mit der Tendenz, zu spät zum Friseur zu gehen.

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?
Gleich. Hinzu kommt eine beginnende Alterweitsichtigkeit bei kleinen Buchstaben. (Beipackzettel!)

Der hirnrissigste Plan?
Vom Freelancer zurück in die Anstellung zu wechseln.

Die gefährlichste Unternehmung?
Die Winterreifen zu spät aufzuziehen.

Der beste Sex?
Immer der von gerade eben.

Die teuerste Anschaffung?
Ein Scheidungsanwalt, der für mich Unterhaltsfragen verhandelt.

Das leckerste Essen?
Indisch im Original.

Das beeindruckendste Buch?
“Schneller als der Tod”, Josh Bazell.

Der ergreifendste Film?
Ergreifend, ergreifend. In ergreifende Filme geh’ ich nicht. Am besten: Der neue Bond.

Die beste CD?
Wieder keine CD gekauft. Die Frage ist wohl mittlerweile obsolet.

Das schönste Konzert?
Wieder das Adventskonzert.

Die meiste Zeit verbrachte ich mit?
Meiner neuen Familie und Arbeiten.

Die schönste Zeit verbrachte ich mit?
Ihr.

Vorherrschendes Gefühl 2012?
Es bewegt sich soviel, ich weiß nur leider nicht, in welche Richtung.

2012 zum ersten Mal getan?
Unter viel anderem: Einen Job wegen der Liebe geschmissen, ohne zu wissen, was danach kommt. Visum beantragt. Nach Indien geflogen.

2012 nach langer Zeit wieder getan?
Arbeitslos gewesen, Bewerbungen geschrieben, neue Stelle bekommen, Spaß an der Arbeit gehabt.

3 Dinge, auf die du gut hättest verzichten mögen?
Unterhaltskrieg, Streit, Kontopfändung.

Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
Ich bin der richtige Mann für diesen Job.

Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?
Liebe.

Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?
Liebe.

Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?
„Du bist mein Traummann.“

Der schönste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe?
„Lass uns zusammenziehen.“

2012 war mit einem Wort … ?
Eine Herausforderung.

Mein Sohn 30. Oktober 2012

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Er ist 18, wohnt bei meiner Ex, seiner Mutter, raucht, kifft und hat gerade die Schule geschmissen. Ein halbes Jahr vor dem Abi. Letztere Details habe ich von meiner Schwester, die es schafft, unter Hintanstellung aller Unmöglichkeiten, die sich die Mutter meiner Kinder leistet, immer noch regelmäßig mit ihr zu telefonieren.

Ich erreiche das Kind weder per Mail noch telefonisch. Er verweigert ein Handy, und wenn er meine Gene hat – was nach bisheriger Erfahrung wahrscheinlich ist -, dann hat er keine Lust auf Problemgespräche und wegen massiver Bocklosigkeit auch keine Position. Er hat, mangels Vorbild, nie gelernt, wie man sich streitet und wieder verträgt, und jetzt ist er der einzige Junge in einem Haushalt mit einer Mutter und zwei Schwestern. Ungesund. Hatte er mal eine Freundin oder einen Freund oder überhaupt jemanden, der ihn als Person liebt und in ihm nicht nur den Großen sieht, der ja gut auch mal auf seine Schwestern aufpassen kann? Hatte er ein eigenes Leben, bis jetzt? Ich fürchte, nicht. Meine Schuld.

Ich wusste es vorher auch nicht. Ich habe es erst gelernt, als ich N. kennenlernte. Ich könnte meinen Eltern den Vorwurf machen. Denselben, den der Junge mir, früher oder später, explizit oder – wahrscheinlicher – nur in Gedanken, auch machen wird. Das nützt aber nichts. Es sieht so aus, als hätte ich ihn verloren. Ein paar Mails und Anrufe, die er nicht beantwortet hat, ändern daran nichts. Das Problem ist älter. Ungefähr so alt wie er.

Jetzt habe ich ihm einen Brief geschrieben. Ich hoffe auf eine Antwort, aber: Ich erwarte keine.

maedchenmannschaft.net – Wie Feministinnen den Feminismus kaputtspielen 14. Oktober 2012

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Die Überschrift habe ich von Nadine Lantzsch’s Artikel “hatr.org – wie Maskulisten den Feminismus unterstützen” geklaut, ich komme noch darauf zurück.

Ich lese die Mädchenmannschaft seit einiger Zeit, durchaus aus Interesse. Gleichberechtigung finde ich gut, gesellschaftliche Debatten auch, passt also thematisch. Und dann stolperte ich neulich über diesen Beitrag: “Stellungnahme aufgrund der Ermöglichung rassistischer Reproduktionen bei #MMwird5“. Ohne dass der geneigte Leser erfährt, worum es denn überhaupt genau ging, wird hier ein “Kritik und Selbstkritik”-Ritual praktiziert, wie es jeder stalinistisch geschulte DDR-Bürger aus dem Parteilehrjahr noch in lebhafter Erinnerung haben dürfte. Der Artikel wimmelt bis zur Unlesbarkeit von Substantivierungen und verheddert sich in Selbstgeißelungen ob der “Reproduktion von Rassismen” und der “Ausübung weißer Dominanzstrategien”. Undsoweiter undsofort.

Falls sich jemand unter den Macherinnen dieses Blogs davon ein breites gesellschaftliches Interesse an feministischen Themen erhofft, dann hätte ich diese Drogen auch gern. Dieses ewige selbstreferenzielle Kreisen, diese Geheimsprache mit Sternchen hinter Mann* und Frau*, die immer wiederkehrenden Verweise auf “Strukturen” und “weiße Positioniertheiten” – wer soll das ernst nehmen?

Dem eigentliche Anliegen – Gleichberechtigung einzufordern und herzustellen, Rassismus zu unterbinden – wird auf diese Weise ein Bärendienst erwiesen. Außerhalb der Blase versteht das niemand. Und dafür, dass dieser Stil nicht auch mal innerhalb der Blase kritisch oder überhaupt diskutiert wird, sorgt eine rigide Kommentarpolitik. (Nur sicherheitshalber: Jeder Blogbetreiber soll die Kommentare moderieren, wie er will. Wenn mit der Moderation eine Diskussion unterbunden wird, indem nur die Meinungen zugelassen werden, die den Artikelautor in seiner Meinung bestätigen, dann soll man sich aber bitte auch von dem Anspruch trennen, eine gesellschaftliche Debatte führen zu wollen.)

Einige der Kommentare – meine eigenen bis jetzt noch nicht – werden, ohne Kontext, auf der Plattform hatr.org veröffentlicht. Über flattr kann man dafür Geld geben, angeblich soll auch Werbung geschaltet werden. Die Seite generiert also Einnahmen, die Nadine Lantzsch – siehe oben – den “Maskulisten” zurechnet.
Wer auch immer das sein mag – ich kann mir nicht vorstellen, dass eben diese Leute, denen Frau Lantzsch und viele andere in so herzlicher Abneigung verbunden sind, den flattr-Button drücken. Und deshalb unterstützen hier keine “Maskulisten” den Feminismus, sondern dieselben Leute, die auch bei der Mädchenmannschaft spenden.

Für diese Erkenntnis muss man keiner Gendertheorie studiert haben. Aber sie zeigt, wie Lantzsch & Co. mit weltfremden Hirngespinsten und der Verweigerung jeglicher ernsthaften Auseinandersetzung ihre eigene Sache torpedieren.

Schade drum.

Raus 13. Oktober 2012

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Ich musste jemanden entlassen.

Na gut, das stimmt nicht ganz. Ich bin “Client Manager” für einen externen Dienstleister. Wir haben eine Firma beauftragt, gewisse IT-Dienstleistungen für unser Unternehmen zu erbringen. Etwa 20 Leute, für die ich verantwortlich bin. Darunter nun einer, von dem sich herausgestellt hat, dass er für die Stelle nicht qualifiziert ist. Netter Kerl, ich mag ihn. Aber das spielt keine Rolle. Für das Projekt ist er so wertvoll wie ein Programmierer, der nicht programmieren kann, den man uns aber als Programmierer verkauft hat. Ich habe entschieden, ihn auszuwechseln.
Ich weiß, dass er erst kurz bei diesem Beratungsunternehmen, das wir beauftragt haben, angestellt ist. Vielleicht ist er noch in der Probezeit. Vielleicht wird er dort entlassen, weil ich ich gesagt habe, dass er nicht ausreichend qualifiziert ist. Vielleicht findet er so schnell keinen neuen Job, er ist nicht mehr der Jüngste. Vielleicht hängen noch ganz andere Probleme dran, er ist kein Deutscher, womöglich verliert er hier deshalb seinen Status. Vielleicht hat er Familie, die jetzt vor unlösbaren Problemen steht. Vielleicht. Ich weiß es nicht.

Hätte ich anders entscheiden sollen? Hätte ich sehenden Auges das Projekt gefährden sollen durch einen Kollegen, der geforderten Job nicht machen kann? Hätte ich vielleicht gar nicht “Manager” werden sollen, um solchen Entscheidungen zu entgehen?

Keine Ahnung. Mir fallen dazu zwei Geschichten ein.
Als ich um das Jahr 2000 schon mal angestellt war, habe ich einen Betriebsrat mitgegründet, in einer New-Economy-Firma. Mit der ging es irgendwann ziemlich schnell bergab, die Geschäftsführung hat Leute entlassen, und ich habe mit diesen Leuten gesprochen, nachdem die von ihrer Entlassung erfahren hatten. Ich habe viel Verzweiflung und viele Tränen gesehen. Ich habe versucht, ein bißchen Hoffnung zu verbreiten. Ich weiß nicht, wie es diesen Leuten heute geht. Ich hoffe, sie leben alle noch.
Und dann war ich selbst Berater, wurde nach Jahren gekickt, habe mir was Neues gesucht und festgestellt, dass ich das nicht machen will. Die ganze Woche irgendwo in der Provinz im Hotel. Ich habe gekündigt, ohne eine neue Stelle zu haben, ich hatte anderthalb Monate keinen Job und kein Geld. Jetzt habe ich wieder einen Job, und in dem entscheide ich darüber, ob jemand bleibt oder nicht.

Ich wollte diesen Job. Dass daran solche Entscheidungen hängen, hat mir vorher keiner gesagt, aber ich will mich nicht davor verstecken.
Aber ist es richtig?

Manchmal beneide ich Pastoren oder Altenpfleger. Menschen, die nach ihrem Arbeitstag sagen können: Ich habe dazu beigetragen, dass es heute jemandem besser geht.

Leben, aktuell 18. Juni 2012

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Ihr Bruder, ein Mann in meinem Alter, der das Leben genießt und in der Festanstellung nicht zwangsläufig Vorteile erkennen kann, fragt mich:
“Du hast den Job aufgegeben? Aus Liebe?”
“Ja.”
“Sehr cool. Genau richtig. Man muss sich das Leben gut machen und nicht mit Jobs verbringen, bei denen man keine Zeit mehr für die Liebe hat.”

Es ist das erstemal in meinem Leben, dass ich cool bin.

* * *

Einer ihrer Söhne hat als Projektarbeit zusammen mit ein paar Mitschülern einen Werbespot gedreht. Ich habe die Kinder dabei unterstützt, ich hatte ja gerade Zeit, außerdem war es eine witzige Aktion. Im Abspann steht: “Mit freundlicher Unterstützung von A. Vielen Dank!” Er zeigt den Film begeistert seinem Vater, ihrem Exmann. Der findet den Abspann blöd. Den Jungen beschäftigt das das halbe Wochenende, es ist das Erste, was er nach der Rückkehr vom Vater seiner Mutter erzählt. Die sagt diplomatisch: “Wahrscheinlich hat Papa sich über was anderes geärgert und es nur an dieser Stelle rausgelassen.” Ich sage zu ihr: “Ist er eifersüchtig, dass ich seinem Sohn bei so einer Aktion helfe?” Sie sagt: “Nein. Der Film wird auf dem Schulfest gezeigt!” Ach ja, die Außenwirkung. Daran hatte ich gar nicht gedacht.

* * *

Ich habe einen neuen Job. Bei einer 140 Jahre alten Hamburger Firma. Wenn ich will, kann ich da alt werden, die pflegen dort hanseatischen Firmengeist. Ein gutes Gefühl. Die zwei Monate Nichtstun dazwischen habe ich mir irgendwie verdient. Und ich hatte viel Spaß, auch wenn die Situation unsicher war. Irgendwann gewöhnt man sich dran, auch morgen noch nicht zu wissen, wie es wohl weitergeht. Ich habe gelernt, dankbar zu werden für die guten Tage.

* * *

Neulich hat sie mir einen Antrag gemacht. Sie hatte Wein getrunken und war deshalb nicht komplett Herr (Herrin?) ihrer Sinne, aber es war erstgemeint, auch ohne Rose, Kniefall, Kamera und Youtube-Stream. “Ich muss dich ja einmal vorher fragen, damit ich, wenn’s ernst ist, keine Absage kassiere.” Was ich unter anderem an ihr liebe, ist ihr Pragmatismus.

* * *

Mein Leben kommt in Ordnung. Die Unordnung war eine spannende Zeit, und so ist es jetzt genau richtig.
Danke, wem auch immer.

Was ist wichtig? 16. Mai 2012

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Ich hatte diesen Job. Reisetätigkeit, na gut. Wer sich als Berater bewirbt, muss auch mal reisen. Dann meldet sich mein Chef, “Ich hab ein Projekt in…” (einem Ort, der bei freier A2 und freier A7 zwei Autostunden entfernt ist). Bis mindestens Ende des Jahres. Ich fahre mit ihm hin, um mich vorzustellen. Es geht um einen klassischen Business-Consulting-Job. Ich spule mein Programm ab, erzähle meine Biografie, mache einen guten Eindruck, höre mir das Problem des Kunden an. Zwei Leute, Chefs von der Arbeitsebene, interviewen mich. Kleiner Test: “Was würden Sie machen, wenn…?” Ich überlege kurz, sage eine Antwort. Ich würde das soundso angehen. Die beiden nicken, meine Antwort ist nicht besonders sophisticated, aber praxisorientiert, pragmatisch, handfest. Sie nicken. “Gut”. Wir gehen raus, ich habe alles gegeben, mein Chef ist zufrieden, wir werden die Ausschreibung gewinnen. Der Job wird heißen: Vier Tage Hotel in B.

Ich telefoniere mit N. Es wird ein langes Gespräch, ich führe es auf einer Autobahnraststätte. Sie sagt: “Du gehst weg. Wenn Du weggehst, wenn wir uns nur alle 14 Tage am kinderfreien Wochenende sehen, dann sind wir getrennt.” Scheiße. Ich überlege. Ich habe eine Verantwortung, ich muss meine Kinder ernähren, ich brauche einen Job. Der hier hört sich interessant an und ist gut bezahlt. Aber ich will auch mit ihr zusammenleben, wir hatten gerade besprochen, dass ich näher rankomme, dass wir mehr Zeit miteinander verbringen. Da passen vier Tage auswärts nicht rein.

Ich setze mich wieder ins Auto, fahre die A7 hoch, hier ein Stau, da ein Stau, und ich denke: So wird das nichts. Ich fahre auf einen kleinen  Parkplatz und denke: Dieser blöde Parkplatz wird dir für den Rest deines Lebens in Erinnerung bleiben. Dann rufe ich meinen Chef an und sage den Job ab.

* * *

Ich habe ein paar Bewerbungen geschrieben und mit einer Personalagentur telefoniert. Sie haben eine vielversprechende Stelle in der Nähe im Angebot. Mein Lebenslauf würde passen. Ich schicke meine Unterlagen. “Gern möchte ich Sie nächste Woche unserem Kunden vorstellen.” Vielleicht ist es das. Ich habe einen gutbezahlten Job geschmissen, weil ich das nicht kann und will, was im Vertrag stand: Reisen. Ich bekomme für einen Monat Nichtstun ein fürstliches Gehalt. Alle Beteiligten haben sich menschlich hochanständig verhalten, auch wenn keiner versteht, was ich gemacht habe.

Jetzt muss es klappen. Ich will einen interessanten Job mit guter Bezahlung, der sich mit meinem Familienleben vereinbaren lässt. Das kann ja kein Ding der Unmöglichkeit sein. Unter “Motiv für Arbeitgeberwechsel” habe ich eingetragen: “Bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie”. Nächste Woche weiß ich, ob es ein Vorstellungsgespräch gibt. Ich hoffe darauf. Ich habe bis jetzt noch nach jedem Gespräch ein Angebot bekommen. Vielleicht, ganz vielleicht, könnte diese Serie sich noch ein einziges Mal fortsetzen. Dann wäre es auch erstmal wieder gut. Für länger.

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